Jenny Erpenbeck

1967 in Berlin geboren, hat Jenny Erpenbeck nach einer Buchbinderlehre Theaterwissenschaft an der Humboldt-Universität und Musiktheaterregie an der Musikhochschule „Hanns Eisler“ Berlin studiert. Sie hat Musik- und Schauspielaufführungen unter anderem am Berliner Ensemble, am Opernhaus Graz und an der Deutschen Staatsoper Berlin inszeniert. Ihr literarisches Debüt „Geschichte vom alten Kind“ erschien 1999. Erpenbeck lebt mit ihrem Sohn als freischaffende Regisseurin und Autorin in Berlin.

Foto: Katharina Behling

Veröffentlichungen

„Geschichte vom alten Kind“ (Eichborn Berlin, 1999)

„Katzen haben sieben Leben“ (Eichborn Berlin/Verlag der Autoren, 2000)

„Tand“ (Eichborn Berlin, 2001)

„Wörterbuch“ (Eichborn Berlin, 2005)

„Heimsuchung“ (Eichborn Berlin, 2008)

Preise und Auszeichnungen

  • 2001 - Preis der Jury beim Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb
  • 2006 - Inselschreiberin Sylt
  • 2008 - Solothurner Literaturpreis
  • 2008 - Heimito-von-Doderer-Preis
  • 2008 - Hertha-Koenig-Preis
  • 2009 - Preis der Litera-Tour Nord

Pressestimmen

Zu „Geschichte vom alten Kind“:

„Die schmale, in einem betont lakonischen Tonfall gehaltene und durchaus irritierende Erzählung gehört zum Interessantesten, was es derzeit an junger deutscher Literatur zu lesen gibt.“ (Hajo Steinert, Die Zeit, 14.10.1999)

„Es ist wohl das merkwürdigste Erstlingswerk dieses Herbstes, ein Buch, das so gar nicht in die derzeitige überhitzte Debütantenszene passen will: leise, bedächtig, allen Moden und Effekten trotzend, ein schmales Buch, das man rasch lesen und über das man lange nachdenken kann. (Hubert Spiegel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2.11.1999)

Zu „Tand“:

„Mit ihren Worten kratzt Erpenbeck an der Oberfläche, fängt auf faszinierend verstörende, bisweilen bald brutale Weise diese alten Gefühle ein und lässt sie den Leser neu erleben. Angenehm dezent ist sie in ihrer Verwendung des poetischen Vokabulars. Die zurückhaltende und unspektakuläre Ruhe der Sprache erzeugt die den Texten Erpenbecks anhaftende so eigene Stimmung: Eine sonderbar erfüllende Melancholie.“ (Christina Langer, literaturkritik.de, Oktober 2001)

„Immer, wenn sie ihren scharfen Blick auf die Dinge richtet, verändern sie sich blitzartig. Die Oberfläche schmilzt. Darunter kommt zum Vorschein, was als subkutane Irritation die Figuren bewegt. Ob sie das beim Theater gelernt hat?“ (Pia Reinacher, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9.10.2001)

„Sie schafft es, auf nur wenigen Seiten eine komplexe Geschichte zu erzählen, die sich im Kopf des Lesers immer weiterentwickelt. Erpenbecks Geschichten sind Inszenierungen, sie beginnen still und enden mit einem Paukenschlag oder sie reißen den Leser stürmisch ins Geschehen und spülen ihn danach wieder sanft ans Land.“ (Carolin Ströbele, Spiegel online, 12.10.2001)

Zu „Heimsuchung“:

„Jenny Erpenbeck hat einen Roman von enormer poetischer Kraft geschrieben, der genau dies eindrücklich zur Darstellung bringt: Sie erzählt von den kleinen Geschichten eines unscheinbaren Ortes und spiegelt darin – ergreifend und fassbar – die große Geschichte.“ (Roman Bucheli, Neue Züricher Zeitung, 2.2.2008)

„Große Geschichten um ein kleines Stück Erde, epische Geschichtsschreibung auf höchstem Niveau.“ (Rainer Schmitz, Focus, 2.2.2008)

„[E]ine poetische Genauigkeit und doch Offenheit der Sprache, die bewirkt, dass sich jedem einzelnen Wort hinterher lauschen lässt, als enthalte es eine ganze Welt. Folgen viele solcher Worte aufeinander, entsteht etwas, das am ehesten als eine Art assoziativer Klangraum bezeichnet werden könnte, ein schwer zu fassendes Phänomen, das eng mit der offensten aller Künste, der Musik, verwandt ist. Lese-Musik im Kopf. Das ist ein seltenes Erlebnis, vielleicht sogar ein echtes Wunder. Und so berührt dieser Roman rein sprachlich auf eine so intime Art, dass die Unbedingtheit, ja Unerbittlichkeit, mit der er seinen existenzialistischen Grundton hält, dadurch gewissermaßen ausgeglichen wird.“ (Katharina Granzin, Die Tageszeitung, 8.3.2008)

„Ihre leisen Texte schlagen leuchtende Funken von stiller Schönheit und archaischer Kraft[.]“ (Hans-Ulrich Probst, Laudatio zum Solothurner Literaturpreis, 23.6.2008)